Nach zwei Ausflügen in eher heimische Gefilde, stand diesmal bei der De-Media-Kochaktion wieder eine einzigartige Enddeckungsreise auf unserem Programm. Unsere Grafikdesignerin Milla hat uns in die oberste Ecke des Baltikums entführt. Estnische Leibspeisen wurden uns serviert:
Gefüllte Pfannkuchen mit typisch rotem Heringssalat gefolgt von einer Nachspeise der etwas anderen Art – die berühmt berüchtigte Brotsuppe.

Wenn man die estnische Küche mit einem Wort beschreiben sollte, passt laut Milla am besten “einfach” und das ist laut unserer Expertin mehr als logisch: Was will man von dem kleinen baltischen Land mit sehr kargem Klima erwarten? Die Gerichte sind exakt so, wie sie sein sollten: einfach und sättigend. Und das macht sie für Milla so wunderbar!

Was unsere Designexpertin in ihrer bescheidenen Art verschweigt, wovon wir uns aber auch durch sie persönlich im Agenturalltag mehr als einmal ein Bild machen konnten: So einfach und traditionell es die Esten bei der Küche handhaben mögen, im digitalen Sektor sind sie auf der Überholspur: Die kleine baltische Republik wird heutzutage als das vielleicht digitalste Land der Welt gehandelt. Regierung, Verwaltung, Bildung, Gesundheit oder Recht – so gut wie alles findet fortschrittlich online statt und die Bürger ziehen begeistert mit. In Estland scheint man den wichtigen Dingen Aufmerksamkeit  zu schenken.

Aber zurück zur Küche: Zwar wurde die estnische Küche über Jahrhunderte durch mächtige Nachbarländer beeinflusst (Dänemark, Deutschland, Schweden, Polen, Russland haben immer wieder das kleine Land erobert und regiert) dennoch hat man sich kulinarische Besonderheiten erhalten. Traditionelle Lebensmittel der Esten waren immer Roggenbrot, gesalzener und geräucherter Fisch, Milchprodukte, Rüben, Kohl, Bohnen, sowie Graupen. Viele Kombinationen dieser Lebensmittel findet man in keiner anderen Küche (z.B. Milch mit Erbsen und Fisch oder Kartoffeln als ein Bestandteil von süßem Gebäck). Ein weiteres Merkmal – es wird kaum gebraten und wenn, dann nicht im Öl, sondern in Milch mit Schmand oder in Milch mit Mehl.  Gewürze werden ebenfalls spärlich eingesetzt.

Die nationale Küche ist in der baltische Restaurantwelt in letzter Zeit leider nicht sehr populär. Aber sie lebt weiter in den Familien. So hat uns Milla selbstverständlich eine Menüfolge aus Omas Rezeptbuch präsentiert. Brot wurde daheim nicht weggeschmissen, wenn es trocken war. Man hat daraus Leivasupp wörtlich “Brotsuppe” gemacht, eine süße Mahlzeit, die als Nachspeise serviert wurde. Und wenn Gäste erwartet wurden, hieß es Pfannkuchen-Zeit. Die gefüllten und mit Käse überbackenen Pfannkuchen haben einen lustigen Namen: “Tule homme jälle” was übersetzt “Komm morgen wieder” heißt – wir haben Millas Gastfreundlichkeit mehr als zu schätzen gewusst und sind natürlich am nächsten Tag alle wieder erschienen.

Rezeptvorschlag: Tule homme jälle (Gefüllte Pfannkuchen)

Zutaten für 6-7 Pfannkuchen:

Für den Teig:
3 Eier
100 ml Mehl
300 ml Milch
Prise Salz

Für die Füllung:
1 mittelgroße Zwiebel
500 g Hackfleisch
250 ml Fond (abhängig von der Fleischwahl
1 Bund Petersilie
Salz und Pfeffer nach Geschmack

geriebener Käse zum Überbacken

Zubereitung:

Die Petersilie hacken und bei Seite stellen. Die Zwiebel fein hacken und glasig anschwitzen. Das Hackfleisch hinzugeben, leicht anbraten und mit dem Fond übergießen. Bei mittlerer Hitze die gesamte Flüssigkeit reduzieren lassen. Danach die Masse mit Salz und Pfeffer abschmecken, abkühlen lassen und zuletzt die Hälfte der Petersilie darunter mischen.
Eier in einer Schussel leicht aufschlagen. Salz, Milch und Mehl hinzufügen. Alles solange rühren, bis der Teig glatt ist. Die Pfannkuchen in einer beschichteten Pfanne backen.
Aufpassen, dass diese nicht zu dünn werden – sonst besteht die Gefahr, dass die Pfannkuchen reißen, wenn sie gefüllt werden.
Auf jeden Pfannkuchen in der Mitte ca. zwei Teelöffel der Füllung platzieren und den Pfannkuchen gut und fest zusammenrollen.
Die gefüllten Pfannkuchen in eine Auflaufform legen, mit  dem geriebenen Käse bestreuen und im vorgeheizten Backofen bei 180° Celsius überbacken bis alles gold-braun ist. Vor dem Servieren den Rest der Petersilie darüber streuen.

Rezeptvorschlag: Rosolje (Heringssalat mit Roter Beete)

Zutaten für 4 Personen

400 g rote Bete
200 g gekochte Kartoffeln
200 g gekochte Möhren
2 mittlere Herringfilets (gesalzen)
2 mittlere Gewürzgurken
500 g Schmand
Salz
1/2 TL Senf

Zubereitung:

Alle Zutaten würfeln und gut mischen. Anschließend Schmand, Senf und Salz hinzufügen und nochmals durchmischen. Den Salat ein paar Stunden im Kühlschrank ziehen lassen, im Optimalfall über Nacht.

Rezeptvorschlag: Brotsuppe

Zutaten (keine genaue Portionsangaben, es geht nach Geschmack)

altes Roggenbrot (möglichst dunkel)
Cranberrysaft
Zucker
Rosinen

Zur Deko: Schlagsahne und rote Beeren (Cranberrys, kandierte Kirschen)

Zubereitung:

Das Brot in kleine Stücke schneiden und in einem Topf mit gekochtem Wasser übergießen, bis das Brot bedeckt ist. Auf mittlerer Hitze und unter ständigem Rühren zum Kochen bringen. Langsam Saft und Zucker dazu geben und abschmecken. Die Masse sollte leicht nach Cranberry schmecken und nicht allzu süß sein. Hat sich das Brot komplett zum Brei aufgelöst, Rosinen hinzugeben. Im Anschluss den Brei vom Herd nehmen in kleinen Schalen/Gläsern kalt stellen. Vor dem Servieren mit Schlagsahne und Beeren dekorieren.